Wie findet man eigentlich die richtige Lerngruppe? Wie kann ich Kontakte aufbauen, wenn ich ein Fernstudium mache? Diese und viele weitere eurer Fragen hat die Networking- Expertin Natascha Miljkovic ausführlich für euch in diesem FAQ beantwortet. Viel Spaß beim Durchlesen!

Also meine Frage zu dem Thema wäre: Ich bin im zweiten Semester und hab eigentlich eine relativ gutes soziales Netzwerk aufgebaut was Kommilitonen angeht. Leider ist die Durchfallquote bei uns wahnsinnig hoch und es haben jetzt sehr viele abgebrochen. Irgendwie stehe ich jetzt wieder ganz alleine da und alle anderen haben schon so feste Gruppen gebildet, wo ich nicht mehr so leicht rein komme. Wie schaffe ich es also mir wieder ein soziales netz aufzubauen? Liebe Grüße!

ANTWORT Natascha Miljkovic:
Hier muss man sich zunächst klarmachen, dass das völlig normal ist: Netzwerke entstehen und zerfallen auch wieder! Das Zerfallen ist nicht unbedingt nur negativ, man kann ohnedies nur mit einer kleineren Gruppe an Leuten wirklich tiefgreifende Kontakte erhalten.

Als erstes kommt es darauf an, welche „strategischen“ Ziele es mit dem eigenen Netzwerken auf sich hat (auch das ist nicht fix und allzu streng darf man das nicht nehmen, man folgt keiner beinharten Linie beim Netzwerken, es soll immer ein lockeres Geben und Nehmen bleiben). Wozu soll das soziale Netzwerk denn dienen: Brauche ich jemanden zum gemeinsamen Lernen, tausche ich Infos zum Studium und zu Praktika mit anderen, möchte ich einfach einen größeren Freundeskreis, suche ich bald nach einer neuen Arbeit/ einer Wohnung, usw.? Kann natürlich auch immer eine Kombination aus diesen Dingen u.a. sein.

Jetzt sollte man einmal gründlich analysieren zu welchen Gelegenheiten ich Leute dafür kennenlernen könnte (in Debattierclubs, in der Studierendenvertretung, bei Vereinen, …). Wichtig: Super und mit eher wenig Aufwand lernt man Leute kennen, wenn man selbst aktiv wird! Muss nicht immer klappen, aber oft lohnt es. Angenommen es geht um das Lernen – die angesprochenen festen Gruppen, zu denen man (noch) nicht gehört, sind nicht die einzigen, die für die Prüfung lernen werden. Schaut mal online (zB auf Facebook oder in lokalen Studierenden-Plattformen), wer sich schon gefunden hat und fragt nach dem nächsten Treffen oder – schlagt selbst eines vor. Meist ist man nicht die/der Einzige im Boot, andere suchen auch Anschluss oder brauchen Unterstützung!

Dann könnte man sich auch die Frage stellen, ob und wie man zu den ehemaligen KommilitonInnen Kontakt hält. „Braucht“ man Einblicke in andere Studienrichtungen, Praktika, Firmen? Überlegt da einfach, wie man in Kontakt bleiben könnte (zB gründet eine FB-Gruppe, tretet dem Alumni-Club bei, abboniert Social-Media-Kanäle eurer Uni und bleibt auf dem Laufenden was sich da so tut … und wiederum, schlagt ab und an aktiv was vor!).

 

Meine erste frage: Wie lerne ich als Ersti der in eine komplett neue Stadt zieht Leute kennen? mich würden konkrete Fälle/Möglichkeiten interessieren (z.B. Sitznachbarn der Vorlesung danach ansprechen) und nicht so sehr die tipps drum herum. zweite frage: wie finde ich am Anfang einen 8-10h und ab welchem semester sollte ich mich evtl. für einen job als Werkstudent bewerben, um erste Erfahrungen in dem fach zu sammeln und das wissen mal ins praktische umzusetzen dritte frage: weil ich ca. 400-450€ miete zahlen muss, werde ich eine recht hohe Anzahl an stunden arbeiten müssen, verschiebt sich das Studium daher um viele semester oder hält sich das noch im rahmen?

ANTWORT NM: (Frage 2 können Studi-Vertretungen vor Ort besser beantworten)
Meine persönlichen Erfahrungen mit Freizeit-Plattformen wie „Meet-up“, „Yelp“, „Friendseek“ und dergleichen sind sehr gut! In Ö gibt es auch „Frag-Nebenan“, eine Nachbarschaftsplattform, weiss nicht, ob es das bei Euch auch gibt. Da kann man in unmittelbarer Umgebung der eigenen Wohnung Nachbarn kennenlernen. Internationale Studis und AbsolventInenn sind bei „Internations“ ganz gut aufgehoben. Dann gibt’s noch spezielle Frauen-Netzwerke auch.

Kombiniere am besten was Du ohnehin schon immer gerne gemacht hast (Fußball spielen, Spieleabend machen, laufen gehen, etc.) mit dem Kennenlernen/Netzwerken, indem Du Gruppen besuchst, die dafür ins Leben gerufen wurden. Ganz konkret habe ich das so „nutzt“: ich hatte als Studierende an unserem Uni-Sportinstitut Badminton gespielt. Mit einer der MitspielerInnen habe ich immer wieder gerne geplaudert, also haben wir uns über Facebook vernetzt und Tel.nr. ausgetauscht und manchmal auch was privat unternommen. Als „Resultat“ fand ich, als ich es Jahre später brauchte, einen super Fotografen für professionelle Portraitfotos – der jetzige Mann der Badmintonspielerin ist Berufsfotograf geworden! Das kannst Du natürlich nicht so genau planen, aber die Chancen steigen mit jeder Person im Netzwerk im richtigen Moment bei Bedarf auch die richtige Person zu finden. Oder zwei andere Beispiele: eine ehemalige Studienkollegin trat dem Uni-Chor bei (mittlerweile hat sie eine CD aufgenommen), ein anderer dem Ruderclub der Uni (einige seiner besten Freunde stammen von damals aus diesem Club). Sieh Dir mal die Aushänge und Aufrufe an Deiner Uni durch, ob da was für Dich dabei sein könnte!

Überlege auch, wann, wo und wie Du von anderen schon angesprochen wurdest – war das vor/nach einer Vorlesung, in der Mensa/Cafeteria, in der Bibliothek …? Dann mach das bei der nächsten Gelegenheit doch auch mal! Find ich eine gute Idee! Andere Ideen: Beim Kopierer jemanden nach einer Vorlesung, Prof oder Prüfung fragen. Vor der Vorlesung jemandem nach dem Lesestoff/der Hausübung fragen und was ihnen daran besonders schwer/leicht gefallen ist. An vielen Unis ist man sich der besonderen Situation vieler Erstis (neu in der Stadt, wahrscheinlich noch ganz alleine, erstes Mal weg von zuhause usw) sehr bewusst – sieh mal nach, ob es Events für euch gibt, an der Uni, in Studentenwohnheimen usw. Mach Schulungen in der Bibliothek und frag danach die anderen TeilnehmerInnen was die studieren und wie’s denen so geht ganz neu in der Stadt, gib ihnen einen Tipp mit (zB: kenn ihr das Lokal XY schon, haben die besten Burger der Stadt) und frag sie ev nach einem guten Tipp für Dich (zB suchst Du ein Fitness Center in Deiner Gegend).

Sei in jedem Fall aktiv! Wie einmal eine Bekannte sagte: Zuhause mal eben so aus dem Kasten springen Dir die neuen Freunde wohl nicht!! 🙂 Sei unter Menschen & sprich mit ihnen. Klappt nicht jedes Mal, dass man Anschluss findet, aber es wird mit der Zeit auch leichter jemanden anzusprechen und macht dann sogar Spaß.

 

Jobchancen erhöhen durch Master, was sagen Leute aus der Praxis über Master und Bachelorabsolventen?

ANTWORT NM:
Ein Master-Studium gibt einen soliden Grundstock an Wissen und sagt zudem viel über den Studierenden aus, schließlich ist viel Fleiß, Ausdauer und Verantwortungsbewusstsein nötig, um einen MA abzuschließen. Diese Abschlüsse sind daher international durchaus angesehen, die Jobchancen sicherlich besser!
Bachelor-AbsolventInnen werden ebenfalls gerne genommen, doch hier sind die Erwartungen der Firmen eher gering was Befähigungen, Wissen und Können der Bachelor-AbsolventInnen betrifft. Wer kann sollte – eventuell nach einem oder ein paar Jahren praktischen Erfahrungen in der jeweiligen Branche – auch über einen Master-Abschluss nachdenken. Mit vielen Firmen kann man verhandeln, eventuell klappt es sogar als dualer Studierender in der eigenen Firma abzuschließen.

 

Wie kann man mehr sinnvollen Kontakt mit seinen Professoren, u. ä . haben um dann später Hilfestellung von ihnen zu bekommen? (hoffe ich hab das so richtig formuliert 😅)

ANTWORT NM:
Interessante Frage – Hilfestellungen der ProfessorInnen gehören ja in einem gewissen Rahmen eigentlich zu deren Job! 😉 Mehr Kontakt zu ihnen aufzubauen ist ziemlich clever gedacht! Meiner Erfahrung nach sind die Profs zeitlich stark unter Druck, alles muss schnell gehen, auch jemandem im Idealfall behilflich zu sein. Sprich, es sollte idealerweise online und im Rahmen der Arbeit möglich sein. Privaten Kontakt würde ich als Studierende hingegen nicht suchen (Ausnahmen bestätigen die Regel)!

Was man machen kann ist aktiv zu werden und zu Vorträgen an den Unis, an den Instituten zu gehen. Auch Fragen in Seminaren stellen, ist immer gut. Aber hier bitte wirklich mitdenken und ganz ohne Stress ab und an (denn nur zum Schein andauernd was zu fragen, fällt negativ auf (Stichwort StreberIn)). Sehr toll für etwas Fortgeschrittenere sind auch Bewerbungen als studentische Hilfkräfte für Seminare bzw. Volonteers für Kongresse und andere Veranstaltungen. Folgen Sie dann den Profs natürlich auch in Social Media, v.a. In beruflichen Netzwerken wie LinkedIn.

WENN man dann doch irgendwann einmal etwas von ihenn benötigen sollte, bitte kurz fassen (wer ist man, woher kennt man sich, Anliegen in nur 2-3 Sätzen schildern, to do – was hofft man, womit sie helfen könnten). Und, bitte höflich sein – Anrede, bitte, danke und Verabschiedung mit vollen Kontaktdaten. Viele Lehrende beschweren sich zu recht über sehr unhöfliche oder viel zu schwafelige E-Mails von Studierenden. „Hey, könnten Sie mal eben …“ geht also gar nicht!

 

Wie kann ich Kontakte aufbauen, während eines Fernstudiums? könnte Tipps gebrauchen 🙂 lg, Paul

ANTWORT NM:
Ein Fernstudium stellt sicherlich spezielle Anforderungen ans Netzwerken, da sich die Beteiligten nie bzw. nur sehr selten auch persönlich begegnen! Sofern irgendwie möglich sollte man beim Netzwerken auf eine gute Ausgewogenheit an offline und online-Treffen achten. Geht das nicht so, wie bei Dir, musst Du die Online-Kontakte zu Lehrenden und Studis Deines Fernstudiums verstärken. Das kann in der Menge der Kontaktaufnahmen sein (nicht so empfehlenswert, man will ja auch selbst nicht täglich mit Fragen und Infos genervt werden) oder in der Dichte des gemeinsamen Netzes.

Einige Beispiele wie man das erreichen kann: suche alle Kommilitonen Deines Studiengangs auf LinkedIn, Facebook und Xing und befreunde Dich mit Ihnen (wenn sie mögen, natürlich 😉 ). Falls Du da nicht so richtig fündig wirst, schreib doch den Vorschlag sich online zu präsentieren und in Kontakt zu bleiben per E-Mail oder in den Studi-Foren, die Ihr für’s Studium nutzt, an alle aus und bitte die anderen beizutreten. Pflege Deine Accounts regelmässig, damit andere wissen, was Du gerade machst, welche Themen Du lernst etc. Nur so kannst Du bei Bedarf auch die richtigen Infos und ev Chancen auf Jobs/Praktika ect von anderen bekommen.

Folge Deiner Fern-Uni/FH online in Social-Media-Kanälen und werde Alumni (es gibt meist spezielle Angebote für Studierende). Kommentiere und hilf in Foren aus, wenn Du was Nützliches weisst, sei bei online-Lerngruppen nützlich. Bilde selbst eine Lerngruppe, wenn Du keine entsprechende findest.

Geh unbedingt zu den wenigen offline- Treffen und nütze das gut, indem Du Dich dafür vorbereitest (wenn Sprecher kommen, mach Dich vorher schlau wer das ist und woher die sind, wo sie arbeiten, etc). Dann hast Du mehr Chancen mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Melde Dich gelegentlich auch für die Orga von Treffen als Volonteer, immerhin sind das die Leute, auf die AKTIV zugegangen wird, um zu fragen.

Langfristig soll es natürlich ein ausgewogenes Geben und Nehmen sein, Du kannst nicht immer nur freiwillig reinbuttern, aber besonders zu Beginn ist das sicherlich sehr effizient. Viel Erfolg!

 

ich habe auch eine Frage für dein anstehendes Treffen mit den Socialnetworking Profis: wie schließt man Kontakte mit Leuten aus „festgefahrenen“ bzw. eingeschweißten Gruppen/Cliquen. Bislang eine harte Nuss für mich. Grüppchen und Cliquen, die sich in den ersten Semestern gebildet haben, sind schwer zu „erreichen“. Um neue Lerngruppen zu bilden, bleibt mir aber nichts anderes übrig. Ich selbst bin keine 19 mehr, komme aus dem Job, habe mich für ein Vollzeitstudium entschieden

ANTWORT NM:
Wer in bestehende Gruppen gelangen möchte, sollte versuchen sich zunächst mal nur mit einer Person zu befreunden. Immer locker und ohne Druck, und vor allem nicht erst, wenn man was braucht, ansprechen. Generell wirkt es wohl unangenehmer in bestehende Gruppen zu kommen, als es tatsächlich ist – nur nicht entmutigen lassen! Also zB eine Person einer Gruppe fragen, ob sie zu einer Party, zum Spieleabend etc mitkommen. Ohne gleich zum Stalker zu mutieren, aber schau Dir online an, auf welche Parties die so gehen, oder was sie sonst so unternehmen. Tauch einfach mal selbst dort auf, kannst ja Deine Leute mitbringen und versuche mit jem ins Gespräch zu kommen.

Ob diese Gruppen dann darauf anspringen und Du Teil davon wirst, steht in den Sternen. Was andere aus dem Netzwerken machen, ist „leider“ deren Sache. Ob sie das wollen oder nicht hängt viel auch von der zwischenmenschlichen Chemie an. Glücklicherweise, denn dann läufst auch Du nicht Gefahr in einer Gruppe zu landen, die Dich ausnützt oder in der Dich niemand wirklich mag.

Effizienter ist es wahrscheinlich, wenn man sich eine eigene Gruppe aufbaut. Da hast Du schon die richtige Idee gehabt mit den Lerngruppen. Das ist für ältere Studis vielleicht etwas schwieriger, aber offen und hilfsbereit bleiben ist immer gut. Wenn Du planst Lerngruppen zu bilden, gibt es sicher einige, die mitmachen möchten, die auch nicht in Gruppen sind. Dann musst Du/müsst Ihr ein wenig „Werbung“ dafür machen – super hilfreich ist’s zB wenn es „Goodies“ gibt, wie zB einen besonders schönen Treffpunkt wo ihr ungestört seid oder könnt ihr Profs oder Tutoren für die schwierigsten Fragen gewinnen Euch das nochmals zu erklären, oder arbeitet immer eine/r ein Lehrbuch für die anderen auf und teilt das dann oder wendet ihr eine besondere Lernmethode an oder engagiert ihr zusammen einen Lerncoach. Das könnte auch feste Gruppen interessieren sich bei Euch einzuklinken. Viel Erfolg!

 

Hi ich habe paar fragen zu den Networking Video. Kurz zu mir:
Student (Wirtschaftsmathe bilingual (Deutsch und Englisch) in TU Darmstadt) Ende zweites Semester. Suche aktuell ein Praktikum in einer Investmentbank und habe nicht wirklich die Noten dafür. Im Internet findet man oft Tipps sich mit einigen Investmentbankern zusammen zu setzen und zu Netzwerken.

Dazu die fragen: Nachdem man den Kontakt zu den Angestellten gefunden hat (zB über LinkedIn) und sie zB zum Kaffee einläd, wie gehe ich da genau vor? Ich habe ja eigentlich nichts zu bieten und erhoffe mir Verbindungen um an ein Praktikum zu kommen.

Und dann wenn man es rein schafft: wie Netzwerke ich mit den Angestellten in der Bank und in den Abteilungen wo ich eingesetzt werde? Was kann ich den Leuten dort bieten und wie halte ich den Kontakt langfristig (am besten über 3 Jahre hinweg oder länger) In die Richtung gehen meine Fragen. Hoffe dass dir das nicht zu viel Text ist Danke für deine Mühe und Videos !

ANTWORT NM: (zweiten Teil der Frage beantworte ich bei einigen der anderen schon ausführlicher)
Das ist schon sehr konkret! Vergiss „Netzwerk“-Regeln a la „Wenn Du das machst, Kaffee trinken gehst und dann nach 3 Tagen anrufst, kriegst Du den Job/das Praktikum“. SO geht Netzwerken meist nicht! Das sind nur Ideen, was man ausprobieren könnte. Viel wichtig ist, dass Du zeigst wer DU bist und was Du kannst (Noten sind meiner Erfahrung nach eher zweitrangig)! Deine Individualität und Deine Interessen sind das, womit Du Menschen in Erinnerung bleibst.

Wenn Du in Deiner Branche mehr Menschen kennenlernen möchtest, musst Du es zunächst mittelfristig anlegen. Stress sollte man beim Netzwerken wirklich nicht mitbringen. Und in Deinem Fall ist ein starker Fokus angezeigt (Investmentbanken). Ich würde das so angehen: Setz Dich mal hin und google alle Banken in Deinem näheren Umfeld. Sieh Dir die Hierarchien an (also wie viele und welche Abteilungen gibt es da, gibt es einen oder 4 StellvertreterInnen pro Abteilung und dergleichen). Wähl Dir zu Beginn einmal 3 Banken aus und finde SO VIEL WIE MÖGLICH über die heraus, so, als würdest Du Dich dort morgen bewerben wollen. Schau Dir auch die Jobs an, die sie aktuell ausschreiben und wie sie das machen.

Jetzt gut vorbereitet checke, welche Events die so machen und auch sponsern. Dann geh mal zu ein, zwei von diesen Events und versuche mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Tipp: Wenn man „nichts“ selbst zu bieten hat, holt man sich Infos! Die sind ja bei diesen Firmen-Events auch zugegen und manchmal sogar hauptsächlich deswegen, um sich den Menschen vorzustellen. Nutze das gut! Im Buch stellen wir auch einige Beispielfragen zum Smalltalken vor, und dazu findet man online viel. Gut vorbereitet sein, ist wichtig.

Andere Stellen, wo man die Banker treffen könnte, sind auf Kongressen und Konferenzen der Branche (bewirb Dich als Volonteer und hilf bei der Organisation aus). Oder Job- und Mastermessen sind auch toll dafür geeignet ins Gespräch zu kommen. Wenn es Job Shadowing in den Banken gibt, bewirb Dich dafür – da kannst Du zB 1 Woche lang jemandem über die Schulter schauen bei der täglichen Arbeit. Sieh nach, ob es ein Mentoring-Programm der Bank oder vielleicht sogar Deiner Uni gibt, auch das kann wahnsinnig nützlich sein. Dann kannst Du einen Tag bis 3, 4 Tage später auf LinkedIn hallo sagen und um Vernetzen bitten (aber ganz kurz, nur wenige Sätze schicken). Fertig. Und jetzt beobachtest Du weiter, analysierst, vielleicht kannst Du mal was kommentieren, was geteilt wurde von den Bankleuten, teil selbst mal was, was Du zu dieser Branche gesehen hast.

 

Deine Videos übers Netzwerken sind von der Grundlage her zwar sinnig, aber für viele ältere Studenten leider nicht machbar. Somit ist man über den gesamten Unialltag alleine, kann sich nicht austauschen, kommt nicht an Altklausuren (außer der Dozent lässt mal eine springen), etc. Das ist manchmal recht frustrierend, hat mir aber bisher den Spaß am Studium glücklicherweise nicht verdorben. Ich habe mein Abitur leider nur nebenberuflich an der Abendschule machen können und studiere nun im (kommenden) 3. Semester. Vorher habe ich nach der Realschule eine Ausbildung gemacht und letztendlich 12 Jahre in dem Beruf gearbeitet, der vom ersten Tag an nichts für mich war. Jetzt bin ich 30 Jahre alt und fange im Grunde nochmals neu an, aber anscheinend stoßen sich viele jüngere Leute daran. Dumme Blicke bekomme ich seit dem Studienbeginn umsonst hinterher geworfen, die dummen Sprüche folgen natürlich ebenso.

„Bildungsemporkömmling“ und „Sozialschmarotzer“ (und ich beziehe keinen Cent vom Staat, habe zwei Jobs nebenher um mich über Wasser zu halten) flog mir damals als erstes im Flur um die Ohren (wir mussten uns in manchen Seminaren kurz vorstellen, daher ist mein Alter bekannt). Seltsamerweise beobachte ich dieses Verhalten bei Männern um die Altersklasse 30 herum nicht. Da scheint es okay zu sein, dass sie da sind, klar hat er vorher gearbeitet, kein Problem. (Sind nur leider komplett andere Studiengänge, mit denen ich nichts zu tun habe, man merkt es eher im Vorübergehen auf dem Campus.) Ich bin wirklich niemand der sich aufdrängt, ich bin sogar noch zurückhaltender geworden, spreche niemanden mehr an wenn ich Fragen habe und stelle auch im Seminar keine Fragen mehr, um mich nicht dem Gespött aussetzen zu müssen. Da schreibe ich lieber hinterher eine Mail an den Dozenten (da scheint sich niemand dran zu stören, dass ich so spät angefangen habe).

Klar, im Grunde können mir die Reaktionen egal sein und den größten Teil der Leute werde ich später nie wieder sehen. Die Uni wechseln kann ich leider nicht und die paar Leute (7 Stück), die mit mir Abi gemacht haben, sind noch in ihrem alten Beruf, in Mutterschaft oder ganz woanders gelandet. Irgendwie muss ich da halt drüber stehen, aber es schmerzt schon irgendwie wenn z.B. Gruppenarbeiten gemacht werden sollen und die nebensitzende Person dreht dir sofort demonstrativ den Rücken zu.
Hast du vielleicht Tipps (außer Exmatrikulation oder Psychopharmaka ) wie man den Unialltag so ein wenig erträglicher gestalten kann? Zu Festen, Veranstaltungen, Mensa der Uni, etc. kann ich leider nicht gehen, da ich meinen Stundenplan so tackten muss, dass ich anschließend zur Arbeit gehen kann – sonst würde man da ja vielleicht andere Leute treffen. Die Uni hat 36.000 Studenten, da können ja nicht nur solche sozialen Nullnummern unterwegs sein.

ANTWORT NM:
Das ist echt heftig, habe ich so schlimm auch noch nie gehört! Das tut mir wirklich leid! Leider kenne ich dazu auch keine Quellen oder ganz konkrete Tipps, was auch mich sehr wundert.

Da Du nicht viele Aktivitäten machen kannst, ist es für Dich wohl entscheidend, Dich nur für das Lernen oder vor Prüfungen auszutauschen bzw. vor/zwischen Vorlesungen. Wie Du richtig sagst, ist das Benehmen der anderen zwar unwichtig aber doch auch belastend! Die „schlechte“ Nachricht: Das Benehmen anderer wirst Du nicht ändern können! Konzentriere Dich daher auf Dich: Versuche Deine Leistung nicht darunter leiden zu lassen, dass andere Dich außen vor lassen, und geh trotzdem immer wieder auf andere zu, auch wenn es wahrscheinlich schon schwer fällt. Und wenn nix geht, dann ignoriere die Unsympathen. 😉

Ich könnte mir vorstellen, dass ja durch Deinen anderen Bildungsweg (im Übrigen HUT ab davor!!) auch viel (praktische) Erfahrung da ist. Gründe daher einfach selbst Lerngruppen oder Lerntandems, vielleicht mit Studis, die das schon absolviert haben und dafür Hilfe mit anderen Dingen brauchen. Suche auch andere berufstätige oder ältere Studis für eine Netzwerkgruppe (vielleicht nur online), denen geht es ev genau wie Dir.
Sprich das eventuell mal in einem Studi-Online-Forum an, dass Du Dich gerne mehr einbringen möchtest in Vorlesungen, damit alle mehr davon haben (indem Du hier nicht von Dir sprichst und was Du möchtest/brauchst/suchst, kannst Du da ev was aufrütteln) und frage, was Du tun könntest, um das zu verbessern. Sag nicht, es ist jetzt nicht so toll, und warte die Reaktionen ab.

Kann nicht abschätzen, wie viel die Lehrenden davon mitbekommen, wenn man bei Gruppenarbeiten andere ausschließt. Kannst Du die in einem kurzen E-Mail vielleicht bitten, für Gruppenarbeiten durchzählen zu lassen, damit Du nicht immer überbleibst oder immer mit den selben arbeiten musst? Wer weiss, ob das funktioniert, aber einen Versuch wärs ev wert.

Ein paar persönliche Worte dazu: Wenn das alles nicht fruchtet, schließe Dein Studium ab und – hinter Dir die Sinnflut! Ich bin selbst ein „Arbeiterkind“ und hab v.a. zu Schulzeiten schlimme Reaktionen gehört, besonders, dass ich nicht an Gymnasium gehöre, weil meine Eltern ja auch nur „ungebildeter Dreck“ sind und da sollte die Sonderschule doch wohl für „unsereins“ reichen etc. Nett, nicht wahr? 😉 Es ist schade, wie elitär manche glauben zu sein. Sie sind es nicht! Drum, lass es hinter Dir – es wird einmal Dich stärker machen! Wie es aussieht, bin ich aus meinem Jahrgang der Mittelschule die einzige, die ein Doktorat gemacht haben, UND eine Firma hat UND mehrere Buchverträge. Wenn Leute wie wir „Bildungsferne“ etwas gut können, dann ist es mitdenken, sich bemühen und aus wenigem etwas Vernünftiges machen! Irgendwann furchtet DAS dann! 🙂

Vereine und Initiativen wie Arbeiterkind.de können Dir auch nötigen Rückhalt geben, auch wenn’s nicht